Frau im Wald
Eine Frau hat Zahnschmerzen. Ihr Mann ist weg, der Hase verschwunden. Die Nachbarin von gegenüber will etwas. Und irgendwo da draußen wurde jemand im Wald aufgefunden...
In “Frau im Wald” gerät eine Frau in ein dichtes Geflecht aus Stimmen, Erinnerungen, Erwartungen und Möglichkeiten. Was zunächst wie ein einzelner Gedanke beginnt, wird schnell zu einem Chor: Stimmen von außen, Stimmen im Kopf, Stimmen, die sich widersprechen, überlagern und gegenseitig antreiben. Was davon die eigene Stimme ist, was real, was Traum, wird zunehmend schwer zu sagen.
“Frau im Wald” erzählt von Überforderung, von Auflösung und Flucht vor sich selbst – nicht als Ausnahmezustand, sondern als etwas, das sich ganz selbstverständlich in den Alltag einschreibt, einfach geschieht. Arbeiten, funktionieren, entscheiden, begehrt werden, sich behaupten, freundlich bleiben, sich selbst nicht verlieren. Und am besten alles gleichzeitig.
Haennis Text ist dabei hochpräzise und zugleich immer wieder lyrisch. Er springt, kreist, überlagert sich, findet überraschende Bilder und lässt Gedanken ineinanderlaufen. Diese Vielstimmigkeit kann herausfordernd sein – und wirkt gerade deshalb so unmittelbar. Als Publikum gerät man mit der Frau in diesen Sog: Man hört zu, versucht zu ordnen, erkennt hier und da Bekanntes wieder, verliert wie sie auch mal den Faden.
Am Ende ist nicht alles sortiert und muss es auch gar nicht sein. Vielleicht geht es eher darum, auszuhalten, dass vieles gleichzeitig wahr sein kann; dass nicht alles erklärt werden muss und manche Fragen erst einmal im Raum stehen bleiben dürfen. Und vielleicht ist die Erkenntnis, in diesem Chaos namens Leben nicht alleine, sondern mit vielen gleichgesinnten Stimmen in Verbindung zu sein, ja ohnehin schon die ersehnte Befreiung.
*Zahl doch was du willst





